Reisen in der Elternzeit

 

Es kribbelt in den Fingern, wenn du deinen Rucksack anschaust? Du checkst mehrmals täglich aus reiner Neugierde bei Momondo welche neuen Flugangebote es gibt? Aber du denkst, dieser kleine süße Mensch mit dem zahnlosen Lächeln hält dich von deinem nächsten (Fern)Abenteuer ab?


Dann ließ dir unbedingt meine nachfolgenden vier Argumente als kleine Entscheidungshilfe durch. So viel vorab: Reisen mit Baby in der Elternzeit ist das Beste, was du machen kannst, wenn du mich fragst. Also, das spricht alles FÜR eine Reise mit deinem Kind während der Elternzeit:


 

 

 

 

 

Ihr wachst als Familie unglaublich stark zusammen. Für die Babys und Kleinkinder werden Beziehungen zu der verlässlichen Komponente, die ihnen Halt gibt und nicht etwa Gegenstände oder andere Dinge. Die Kleinen werden während einer Reise auf unzähligen Wickelkommoden gewickelt, schlafen in einer Vielzahl von unterschiedlichen Zimmern, werden an allen möglichen Orten gestillt. In diesem Sinne gibt es also keinen Alltag. Die Routine wird also durch das immer gleiche Kitzel-Spiel am Morgen, das gleichen Lied vor dem Einschlafen und den selben Personen bei jeder Mahlzeit entstehen. Nicht die Badezimmerlampe, das selbe Mobilé oder der gleiche Geruch im Hausflur sorgen für Wiedererkennungswert in Babys Alltag, sondern die Menschen dahinter. Wie schön, wenn das Kind von Anfang an lernt, dass es die Beziehung zu den Eltern ist, die in einem unbeständigen Leben Beständigkeit bietet. Denn Mama und Papa sind immer da, immer nahbar, immer ansprechbar. Beide gleichzeitig und ohne Pause. So erlebt ihr als Familie die rasante Entwicklung eures Babys gemeinsam: das erste Greifen, der erste Zahn und vielleicht auch den ersten Brei unterwegs auf Reisen.

 


 

Ihr könnt dem NUR Mutter-sein entkommen, ohne euer Kind in die Fremdbetreuung zu geben. Nach den ersten paar Monaten hatte ich den Eindruck mein Kind und unseren Alltag ausführlich genug kennen gelernt zu haben. Ich ging jeden Tag die gleiche Runde im Park, kochte die gleichen schnellen Gerichte für mich, Blicke auf den selben Garten, wenn ich mit unserer Tochter im Arm am Fenster stand. Diese Monotonie zerrte irgendwan an meinen Nerven. Ich hatte zunehmend schlechte Laune, weil sich alles in meinem Umfeld, ja irgendwie meinem ganzen Leben, nur noch um´  s Mama-Sein drehte. Die Tage verstrichen und mir fehlte das abendliche Gefühl, etwas "geschafft" zu haben. Das Reisen war unsere perfekte Lösung. Ich kümmere mich immer noch 24/7 um mein Kind. Aber: während es seinen täglichen Mittagsschlaf in der Trage absolviert, kann ich mir die Altstadt von Marrakesch oder den Strand von Essaoira anschauen. Anstatt jeden Tag in Hektik zu kochen, kann ich mir lieber für das gleiche Geld ein Fallafel-Sandwich am Straßenrand kaufen. Eine gut gelaunte Mama ist die bessere ;)

 


 

"Das Kind kann sich doch eh nicht mehr daran erinnern" – diesen Spruch hörten wir einige Male, wenn wir anderen von unseren Reiseplänen erzählten. Mein Mann antworte stets: "Warum liest du deinen Kindern Bücher vor? Sie werden sich doch eh nicht mehr an die Geschichten erinnen können." Es geht nicht darum, dass sich die Kleinen merken solen, was die Hauptstadt von Slowenien ist, dass man in Südafrika links fährt und um wie viel Stunden man die Uhren in Marokko vorstellen muss. Es geht doch darum, dem Kind Sinneseindrücke, Reize und Anregungen zu bieten. Wie es sich zum Beipsiel anfühlt, wenn eine Welle über die Füße schwappt. Oder wie Weihrauch in der Nase kitzelt. Oder, dass man auch auf dem Boden sitzend das Abendessen verspeisen kann. Mit den Kinderbüchern ist es ähnlich: Niemand verlangt, dass sich das Kleindkind an die Hauptcharaktäre oder den Autor erinnert. Es geht darum, die kleinen Synapsen zu stimulieren und dem Nachwuchs neue Eindrücke zu ermöglichen. Allen Eltern sollte doch freigestellt sein, wie sie ihrem Kind das ermöglichen.

 


 

Wer mit dem Gedanken spielt, während der Elternzeit zu verreisen, saß sicherlich schon vorher einmal in einem Flieger/hat einen Roadtrip gemacht/oder verbrachte längere Zeit im Ausland. Wir sind vor der Geburt von Johanna sehr viel gereist. Neue Kulturen kennen lernen, Länder entdecken – das war schon immer unser Hobby und daran hat auch der Nachwuchs nichts geändert. Wer gern Sport macht oder näht, gibt das ja auch nicht gleich auf, weil die Familie gewachsen ist. Ein Kind ändert vieles, aber eben doch nicht alles!