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People of Syria

Begegnungen während der Reise


1. Mit fünfzehn das erste Restaurant eröffnet

Khaled zu meiner linken. In seinem neuen Restaurant.
Khaled zu meiner linken. In seinem neuen Restaurant.

 

 

Khaled ist in Bosra mein erster Guide. Er führt mich durch das römische Theater und die historische Stadt. Über meine Erlebnisse in Bosra könnt ihr hier mehr lesen. Kahled ist im Jugendalter von zu Hause ausgezogen und hat sich mit einem Restaurant selbst verwirklicht. Direkt neben dem Theater hat er ein kleines Häuschen gemietet, und Touristen bewirtet. Das lief so gut, dass er schon bald anbauen konnte. Und dann fragten die Touristen auch nach Übernachtungsmöglichkeiten. Also baute er mit seinen eigenen Händen ein weiteres Stockwerk und stellte Gästebetten auf. Er erzählt mir, wie sehr er diese Zeit genossen hat. All die Menschen aus unterschiedlichen Ländern. Sechs Sprachen hat er durch den täglichen Kontakt erlernt. Mal schlief er im römischen Theater, mal in der historischen Stadt, oder wenn alle Betten frei waren, in seinem eigenen Hotel. Er liebte dieses freie Leben und das Draußen-Sein. Dann begannen die Aufstände und der Krieg entfachte. Sein Haus gerät in die Schusslinie.

 

Er steht vor den Trümmern und erzählt, wie eine Rakete sein Haus traf. Er lacht, aber es ist eher ein verzweifeltes Lachen: “Ich habe nie gekündigt. Theoretisch pachte ich dieses Haus immer noch.” Dann zehn Jahre ohne Arbeit. Vor zwei Jahr hat er den Neuanfang gewagt, mit einem kleinen Restaurant, ganz nah neben dem alten. Es ist mehr ein Garten... mit einigen Plastikstühlen. Langsam kommen die Touristen zurück. Pro Woche hat er ca. 3 große Touristengruppen und dann noch Individualreisende wie mich.

 

 

 


2. In allen Zimmern des Hauses versteckt

Ghassam zu meiner rechten. In der Lobby des Hotels.
Ghassam zu meiner rechten. In der Lobby des Hotels.

 

Mein zweiter Tourguide in Damaskus und Umgebung. Er war vor dem Krieg Ingenieur, hat in Dubai, Qatar Griechenland gearbeitet. Dann musste die Familie zehn lange Jahre von seinem Ersparten leben. Während des Krieges trauten sie sich kaum raus. Der Sohn, bei Kriegsbeginn gerade einmal drei Jahre alt, wurde von Raum zu Raum getragen...” um ihn vor den Bomben und Querschlägern” zu beschützen. Ghassim erinnert sich, dass das Nachbarviertel von der schiitischen Gemeinde sehr oft das Ziel der Angriffe war. Durch die Nähe zu dieser Nachbarschaft fielen sehr viele Bomben auch in seinem Viertel nieder. “Unpräzise”, sagt er. Seit zwei Jahren ist er nun selbstständig als Tourguide. Er kennt sich bestens aus, hantiert mit Jahreszahlen selbstsicher und liebt den Umgang mit Touristen.

 

Er kennt die Eigenheiten mittlerweile gut und plaudert aus dem Nähkästchen: Bei einer italienischen Gruppe rede ich immer nur zwei Sätze am Stück. Dann brauch die Gruppe zehn Minuten, um sich selbst auszutauschen. Dann meine nächsten zwei Sätze. Bei Gruppen aus England bin ich besonders nervös. Die wissen alles und haben alle ihren eigenen Guide. Die ersten zwei Tage prüfen sie immer alle Jahreszahlen und mein Gesagtes. Am dritten Tag gewinne meistens ihren Respekt und sie legen die Bücher weg, um mir voll und ganz zuzuhören. Bei Gruppen aus den USA weiß ich nicht viel laufen. Am besten mit dem Reisebus bis vor die Türe fahren.

 


3. Neun Monate in Geiselhaft beim IS

Nonne Ajir ist in das Kloster zurückgekehrt.
Nonne Ajir ist in das Kloster zurückgekehrt.

 

Ich habe Ajir im Konvikt Tickla getroffen. Sie ist seit vielen Jahren Nonne in dem kleinen Dorf Maaloula. 2015 wurde der bewachte Eingang des Dorfes von einem Selbstmordattentäter zerstört, der IS drang in das Dorf vor. Viele Bewohner wurden getötet, einige konnten sich in ein muslimisches Nachbardorf retten. Ajir wurde mit 13 weiteren Nonnen vom IS entführt und neun Monate gefangen gehalten. Vermutlich wurden die Nonnen durch diplomatisches Geschick (mit Unterstützung von Katar) oder eine Lösegeldzahlung wieder freigelassen. In den Medien liest man in Interviews, dass sie "gut" behandelt worden sind und ausreichend Essen hatten. Ajir hat sich dazu entschieden, weiterhin in dem Kloster zu dienen.

 


4. Priester im Konvikt St.

Er hält seine Gottesdienste auf Aramäisch und Arabisch.
Er hält seine Gottesdienste auf Aramäisch und Arabisch.

 

Leider weiß ich den Namen dieses Priesters nicht. Ich habe das Glück, einem Gottesdienst von ihm beizuwohnen. Er ist einer der wenigen Menschen auf der Welt, der Aramäisch spricht und auch das Vater-Unser in Aramäisch, der Sprache von Jesus betet. Der IS hat auch sein Kloster erobert und geplündert. Das Grab des Bischofs wurde geplündert. Dem Leichnam wurden Zähne und Schmuck abgenommen. Zusätzlich wurden viele Relikte und Schätze aus dem biblischen Zeitalter gestohlen. Der Priester war einer der zentralen Figuren in den Verhandlungen mit dem IS, diese Relikte zurückzubringen.

 


5. Mit dem Fahrradclub raus aus Damaskus

 

Auf dem Weg nach Maaloula kann ich meinen Augen kaum trauen. Eine riesige Fahrradgruppe, bestimmt 50 Mountainbikers, unterwegs auf den idyllischen Dorfstraßen außerhalb von Damaskus. Frauen und Männer, Christen und Muslime, mit und ohne Kopftuch – eine bunt gemischte Gruppe. Ungefähr eine Stunde später Treffen wir die Gruppe am Kloster XX wieder. Ich komme mit einer Frau ins Gespräch, die mir zuvor schon als eine der ersten Vorfahrerinnen aufgefallen war. “Jedes Wochenende machen wir Radtouren”. Ein Radklub aus Damaskus, der immer unterschiedliche Ziele anfährt. Mit dem Auto habe ich eine Stunde hier her gebraucht. Ich frage sie: “Fährst du auch die ganze Strecke zurück (bei 35° C) ?” Da lacht sie und sagt: “Natürlich, ich bin eine starke Frau.”

 

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