"Ich dachte, mein Trommelfell platzt"

10 Meter unter der Meeresoberfläche

Nach einer Gewöhnungszeit im Meer kann ich es genießen....
Nach einer Gewöhnungszeit im Meer kann ich es genießen....

Die Bedingungen in Aqaba sind zum Tauchen so perfekt, dass sich der Trainer das Aufwärmen im Pool spart. Mit Neoprenanzug, Sauerstoffflasche, Taucherbrille und Flossen fahre ich mit Mahmoud, dem Trauchlehrer, ein kleines Stück zu einem Strand. An dieser Stelle kann er mit seinem Pickup-Truck fast bis an das Wasser heranfahren. Das erspart uns schweres Schleppen. Da sitze ich nun also, auf einer kleinen Bank am Roten Meer. Bereit für meinen allerersten Tauchgang.

 

Unser schönes, farbenfrohes Hostel
Unser schönes, farbenfrohes Hostel
Bedouin Garden Village, 50 m vom Meer
Bedouin Garden Village, 50 m vom Meer

Ich schlüpfe durch die Träger der Sauerstoffflasche und denke, dass die Bank gleich bestimmt durch bricht, so schwer fühle ich mich. Als ob das nicht schon genug wäre, bekomme ich noch einen Gewicht-Gürtel um die Hüfte. Aua. Nun sagt Mahmoud mit einem Grinsen im Gesicht, dass ich fertig bin und aufstehen kann. Er weiß wohl schon, dass ich aus eigener Kraft gar nicht mehr hoch komme. Mit ein bisschen ziehen und schieben stehe ich auf meinen eigenen Beinen, und versuche eine gute Figur zu machen. Die 5 Meter bis zum Meer werde ich wohl schaffen. Immerhin hatte ich zuvor in der Tauchschule auf dem  medizinischen Fragebogen angegeben, dass ich mich in bester körperlicher Fitness und Gesundheit befinde.

 

 

Dieses Handzeichen werde ich später noch brauchen....
Dieses Handzeichen werde ich später noch brauchen....

Das Wasser bietet Erleichterung. Das Gewicht nicht mehr zu spüren. Geplant war dieses kleine Abenteuer nicht. Durch Zufall hatten wir Mahmoud in unserem Hostel in Aqaba kennen gerlernt, und erfahren, dass er zertifizierter Padi-Tauchtrainer ist. Tobias und mich hat die ruhige und sortierte Art von Mahmoud letzlich überzeugt, dass man sein Leben für ca. 1 Stunde in dessen Hände legen kann.

 

Während ich im Wasser leicht überfordert bin, das Gleichgewicht zu halten und gleichzeitig meine Tauchbrille aufzusetzen, liest Mahmoud meine Gedanken und hält mir seine Hand hin. Ich lasse etwas Sauerstoff in meinen Neoprenanzug, damit ich auf dem Rücken liegen kann ohne unterzugehen. So ziehen wir uns die Flossen über die Füße.

 

 

Ein gewzungenes Lächeln unter der Schwerlast der Ausrüstung
Ein gewzungenes Lächeln unter der Schwerlast der Ausrüstung

Dann das erste Test-Atmen über den Sauerstoffschlauch. Bei meiner Meditation atme ich auch immer so besonnen und langsam. Hektische Schnappatmung funktioniert nicht über den Schlauch. Ganz lagsam eeeein- und aaaaausatmen. Dann gibt der Trainer das Zeichen, Daumen nach unten, Abtauchen. "Wunderbar", denke ich mir, "die Brille ist dicht, und ich kriege Luft". Dann kann es ja losgehen.

 

Akribisch genau kontrolliert der Trainer auf seiner Taucher-Uhr, wie viele Meter wie abtauchen. Bei ca. 4 Metern tiefe, knien wir uns auf den Boden (auf eine Sandbank) und führen erneut den Druckausgleich durch. Sprich: Nase zu halten und kräftig Luft von Innen gegen das Ohr pusten, bis es knistert und zitscht. Das Trommelfell hat sich wieder nach außen gewölbt, wir können weitere 3 Meter in Angriff nehmen.

 

 

Schwerelos in 10 Meter Tiefe
Schwerelos in 10 Meter Tiefe

Durch die ganze Aktion und das Herumzirren an der Brille, ist nun Wasser in meiner Brille. Keine Panik, dies war ein Szenario, auf das in meiner theoretischen Vorbereitung bereits eingegangen war. Die Lösung: Die Taucherbrille oben an der Strin extra fest andrücken und mit der Nase kräftig nach unten hin ausatmen, sodass das Wasser abfließt. Mittlerweile tun meine Ohren so weh....Ich würde mal sagen, Mittelohrentzündung, Nasenebenhöhlenentzündung und Flugzeugstart in einem....

 

Hier unten gibt es keine Sandbank mehr zum hinknien. Ich muss den Druckausgleich durchführen, während ich gleichzeitig schwebe und natürlich mit den Flossen dem Absinken in tiefere Gewässer entgegen wirken muss. Auf einem Ohr klappt der Druckausgleich nicht. Und ich würde jetzt so gerne sprechen können.

 

 

Der Trainer, ständig seine Augen auf mich gerichtet, merkt das natürlich sofort. Wir haben nur 5 Handzeichen vorher geübt, und unser Dialog läuft so ab:

 

Er: "Alles ok?" (Hand formt ein O)

Ich (zeige auf linkes ohr): "Ok" (Hand formt ein O)

Ich (zeige auf rechtes Ohr): "So lala" (Hand macht Wellenbewegung)

Er: "Guck was ich mache" (Zeigt auf seine Augen, dann zu mir)

 

Der Trainer packt sich seitlich an den Hals und massiert das Gebiert rund um das Ohr. Jetzt bin ich dran. Ich kann mich vor Schmerzen kaum noch konzentrieren und bete, dass mein Trommelfell nicht platzt. Tatsächlich, eine kleine Massage und zwei Druckausgleichen später, ist mein Ohr wieder gesund.

 

Zum ersten Mal kann ich die Unterwasserwelt um mich herum genießen, einfach etwas schwimmen, erkunden und Fischschärme beobachten. Von oben wirken 10 Meter Meerwasser auf mich. Es ist eine Grenzerfahrung und definitiv ein einzigartiges Erlebnis.

 

Zum Schluss geht noch ein Dankeschön an Mahmoud raus, der wirklich höchst professionell arbeitet, sich mit dem Euqipement perfekt auskennt und definitiv weiß, was er tut! Falls ihr jemals nach Aqaba kommt, findet ihr ihn in der Bedouin Diving Aqaba Tauchschule.

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