Johanna schreibt über Jordanien

Alltag aus der Sicht einer 2,5 Jährigen

Plötzlich Jordanien: Brille und Sonnenhut gehören in Jordanien zur Standardausstattung
Plötzlich Jordanien: Brille und Sonnenhut gehören in Jordanien zur Standardausstattung

Vor vier Monaten haben meine Eltern mein Spielzeug in einen Koffer gepackt und sind mit mir zum Flughafen gefahren. Wir sind nach Jordanien geflogen, weil meine Mama jetzt hier arbeitet. Mein neues Leben ist sehr aufregend und ich verstehe langsam, dass hier Jordanien ist, und dass meine Omas und meine Uromas noch in Deutschland sind. Mit dem Auto kann man nicht fahren, man muss immer das Flugzeug nehmen. Zum Glück haben meine Eltern ein Fotobuch gestaltet, in denen viele Bilder von den Menschen sind, die ich jetzt nicht mehr jeden Tag sehen kann.

 

Meine Eltern sagen über unsere neue Wohnung, dass es unser "Zuhause" ist, dabei haben sie das Wort ziemlich lange für einen anderen Ort, in Deutschland, verwendet. Diesen hab ich auch noch genau vor Augen....Mein Zimmer, mein Bücherregal, mein Learning-Tower. Manchmal frage ich Mama, wo mein pinkes Hüpfpferd ist. Sie sagt dann, dass eine andere Familie das Pferd nun füttert und wir es besuchen können, wenn wir mal nach Deutschland fliegen.

 

Kneten mit meiner Freundin
Kneten mit meiner Freundin

Dafür habe ich jetzt natürlich anderes Spielzeug bekommen. Zum Beispiel ein neues Puppenhaus und ein Laufrad. So wie in Deutschland, habe ich auch wieder eine Spielzeugküche und ein Trampolin, wo ich manchmal schon morgens um 7 Uhr mit Sonnenbrille drauf hüpfe. 

 

Ich liebe, dass das Wetter hier immer gut ist! Ich darf meine Kleidung neuerdings selbst aussuchen und brauche nie eine Jacke. Dafür gehört jetzt Sonnencreme, Sonnenbrille und Hut zur Standardausstattung. Denn die Sonne kann die Haut verbrennen. 

 

In Deutschland war ich den ganzen Tag mit Mama zu Hause. Jetzt geht meine Mama morgens zur Arbeit und Papa passt auf mich auf. Wir treffen uns dann mit meinen Freundinnen, gehen Einkaufen oder auf den Spielplatz. Zusammen mit meinem Vater haben wir andere Männer getroffen, die auch den ganzen Tag auf ihre Kinder aufpassen. Das ist ziemlich praktisch, so hat sowohl Papa als auch ich einen Spielkameraden auf dem Spielplatz.

 

 

Barfuß auf dem Spielplatz mit Seifenblasen
Barfuß auf dem Spielplatz mit Seifenblasen

Auf Englisch bis 10 zählen

In Deutschland gab es jeden Morgen auf dem Weg zum Spielplatz ein Rosinenbrötchen. Hier war ich anfangs ziemlich enttäuscht, dass es das nicht gibt. Und auch Brötchen im Allgemeinen esse ich hier nicht, weil die beim Abbeißen nicht knuspern. Wir haben aber jetzt die German Bakery entdeckt, wo ich ab und zu ein Rosinenbrötchen bekomme. Aber natürlich nicht mehr jeden Tag, denn es gibt in der gesamten 5-Millionen-Großstadt nur eine Filiale davon.

 

Die Freundin von meiner Mama hat mir aus Deutschland auf ihrem Besuch in Amman ein paar Sachen mitgebracht, die ich noch aus der alten Heimat kenne: Dinkelbrei, Kinderkekse und Müsliriegel.

 

Meine Freunde und Freundinnen hier sprechen alle mehrere Sprachen. Die meisten können auch deutsch, sodass ich mich mit ihnen verständigen kann. Meine Eltern erklären mir viele Wörter auf Englisch, es ist aber ziemlich schwer, sich das zu merken. Immerhin kenne ich ja noch nicht mal alle Wörter auf deutsch. Ich kann jetzt aber schon bis 10 auf Englisch zählen. Und Baby-Shark singe ich natürlich auch schon mit, weil das hier überall aus den Lautsprechern zu hören ist. Meine Eltern wollten mich hier in einen Kindergarten bringen. Das allererste Mal in meinem Leben. Der erste Tag war wirklich toll. Aber im Endeffekt hat mich niemand verstanden und alle wollten mich auf den Arm nehmen und streicheln. Das war mir dann zu viel. Deshalb machen wir erst mal eine Kindergarten-Pause.

 

Ich finde das toll, weil Papa so gut Duludupapa (Duplo) und Knete mit mir spielt. Dadurch haben wir auch noch mehr Zeit, etwas mit anderen Familien zu unternehmen. Hier ist ganz viel los, und meistens verbringen wir viel Zeit außerhalb der Wohnung. Wir machen auch öfter Ausflüge über Nacht. Dann essen wir unterwegs und sehen ganz viele Kamele. Schon zwei Mal war ich in der UNESCO Weltkulturrbe Stadt Petra, in Wadi Rum, am Toten und Roten Meer. 

 

 

Amman ist voller Indoor-Spielplätze
Amman ist voller Indoor-Spielplätze
Mit Papa auf das Taxi warten
Mit Papa auf das Taxi warten

Schlafrhythmus verbessert

Weil ich hier so eine Wasserratte geworden bin, gehe ich mit meiner Mama in einen Schwimmkurs. Mein Papa wollte auch mal mit mir dahin gehen, aber nur Frauen dürfen in das Schwimmbad. Ich flippe immer komplett aus, wenn ich in den Pool darf, weil mir das so ein Spaß macht. Wenn wir in Hotels schlafen, gibt es auch meistens einen Pool, wo ich dann oft reingehe. Eine meiner Freundinnen hat auch einen Pool zu Hause, das macht mir besonders viel Spaß, wenn wir dort zusammen spielen.

 

Seitdem wir hier sind, achtet meine Mama nicht mehr so streng darauf, dass ich keinen Zucker esse. Das gefällt mir sehr gut. Auf dem Spielplatz wird manchmal Popcorn verkauft, was ich dann essen darf. Und wir gehen auch viel öfter Eis essen. Im Restaurant oder an der Kasse schenken mir fremde Menschen manchmal Süßigkeiten.

Auch muss ich nicht mehr so pünktlich ins Bett...In Jordanien finden vielen Aktivitäten bis spät am Abend statt. Und wenn ich mit meinen Eltern und anderen Familien unterwegs bin, vergessen wir oft die Zeit. Der neue Rhythmus und die Zeitverschiebung sorgen dafür, dass ich viel länger schlafe, als in Deutschland. Meine Eltern sind seit dem ständig gut gelaunt und ausgeschlafen und haben schon früh morgens Energie mit Duplo zu spielen, das Papa in seiner Fahrradbox aus Deutschland für mich mitgenommen hat.

 

 

Ich liebe Erdbeer-Eis
Ich liebe Erdbeer-Eis
Im Waffelhaus habe ich Marshmellows geschenkt bekommen
Im Waffelhaus habe ich Marshmellows geschenkt bekommen

Freunde kommen & gehen

Autofahren macht mir neuerdings auch mehr Spaß. Ich habe im Carrefour-Supermarkt eine jordanische Flagge geschenkt bekommen, die ich jetzt während der Fahrt aus dem Fenster halte. Das machen alle Kinder hier so und wir winken uns dann gegenseitig zu.

 

Beim Spazierengehen müssen wir sehr gut aufpassen, da wir auf der Straße laufen. Bürgersteige sind sehr holprig hier und teilweise versperren Bäume und Palmen den Weg. Ich spiele mit meiner Mama immer das Spiel, wer zuerst eine Katze sieht - es gibt unglaublich viele in Amman. Sie sitzen oft in der Nähe von Mülleimern und essen übrig gebliebene Lebensmittel.

 

Eine meiner besten Freundinnen, die genauso heißt wie ich, ist leider schon wieder weggezogen, weil ihre Eltern jetzt in Ecuador arbeiten werden. Darüber war ich sehr traurig. Weil das Sandkastenspielzeug nicht mehr in ihren Koffer gepasst hat, habe ich das nun alles bekommen. So denke ich mehrmals am Tag an sie.

 

 

Einkaufswagen im Supermarkt für Kinder
Einkaufswagen im Supermarkt für Kinder
Dino reiten in der Shopping Mall
Dino reiten in der Shopping Mall

Abhängen mit meiner Clique
Abhängen mit meiner Clique

Jeden Tag mit Wasser spielen

Das schöne ist, dass ich auf dem Fernseher weiterhin mein deutsches Kinderprogramm schauen kann. Und auch die Hotdogs bei Ikea schmecken so gut wie ich es aus Deutschland kannte!

Was hier richtig toll ist, sind die Indoor-Spielplätze. Am liebsten mag ich das Bällebad. Meine Mutter rutscht dann mit mir oder schubst mich auf der Schaukel an. Oft ist die Musik dort richtig laut, was uns ganz verrückt macht. Dann fragt meine Mutter, ob sie das leise machen können und dann ist es besser :)

 

Wenn ich dusche, darf ich nicht mehr so lange mit dem Wasser spielen, weil meine Mama sagt, dass es hier nicht genug Wasser gibt, und es dazu noch sehr teuer ist. Dafür habe ich jetzt draußen einen Wasserspielplatz, wo ich alle meine Lego-Figuren waschen kann.

 

Jordanien ist ein kinderfreundliches Land. Egal, wo wir hinfahren, es gibt immer eine kleine Spielecke oder etwas anderes für Kinder. In der Shopping-Mall fahre ich zum Beispiel mit dem Kinderzug. Im Supermarkt bekomme ich einen "Paw-Patrol-Luftballon". In Geschäften gibt es Kinder-Einkaufswagen oder sogar einen ganzen Märchenwald. Einmal hat mir auch ein fremder Mensch einen Ball geschenkt.

 

 

Während Mamas Dienstreise Neues entdecken
Während Mamas Dienstreise Neues entdecken
Mein Duplo kommt mit!
Mein Duplo kommt mit!

Woran ich mich noch gewöhnen muss: Die laute Straße, die wir überqueren, wenn wir zum Spielplatz gehen. Gasflaschen- und Wasserverkäufer spielen laute Musik während der Fahrt, Sportwagen lassen den Motor heulen und Taxis hupen uns an. Da halte ich mir immer dann immer kurz die Ohren zu. Meine Mutter rennt dann immer wie ein Blitzt über die Straße und ich muss aufpassen, dass meine Wasserflasche nicht vom Kinderwagen fällt. An der großen Kirche erkenne ich schon von Weitem, dass wir auf dem Weg zum Spielplatz sind - da kommt Vorfreude auf.

  

 

Am meisten gefällt mir, selber die Knöpfe im Aufzug zu drücken, wenn wir in die Garage fahren. Und das Essen von verschiedenen Tellern, das Dippen in Hummus, wenn wir alle auf dem Tisch die Mahlzeit teilen. Und Dittens: Wenn ich im Buggy sitze, meine Snacks esse und meine Mama mich durch die Straßen von Amman manövriert, wo es so viel zu Sehen und zu Entdecken gibt.

Liebe Grüße & Bis Bald!

Duplo-Badewanne in einem Lego-Store
Duplo-Badewanne in einem Lego-Store

Kommentar schreiben

Kommentare: 0